]prägung[ 

eröffnung ::: 02.06.2022 ab 20:00 uhr 

02.06.2022 – 03.07.2022 

geöffnet: samstags, sonntags, montags und dienstags jeweils von 18-21 uhr 

finissage ::: 03.07.2022 von 11:00 bis 16:00  

was prägt die photographie. das zeitgeschehen? die technik? welche richtung? diese ausstellung bewegt sich zum einen ganz klar von der wand in den skulpturalen raum. gleichzeitig beschäftigt sie sich mehr mit dieser kunst, als wenn das silber flach an den wänden hängen bliebe. unweit der deichtorhallen, gleich nebenan, direkt im trampelpfad zwischen hauptbahnhof und hotelsatelliten liegt das münzviertel, selten von einem touristen, den rollkoffer ziehend, eines blickes gewürdigt. der name prägt das viertel - münzplatz, münzstraße, münzburg, nur die münze selbst, wie die prägestätte der deutschen währung, über hundert jahre von 1875 an und am schluss die d-mark herstellend, genannt wurde, ist längst verschwunden - ebenso wie „harte währung“ als handfestes zahlungsmittel. und vielleicht ist dies eine parabel, eine metapher dafür, wie die photographie einerseits ihr medium verliert und andererseits ganz stark durch es geprägt wird. 

 

 

 

 

teilnehmende künstler*innen:




adriane steckhan, anne reiter + tillmann engel + sophie lindner + vera drebusch, ari cho, bea nielsen, gerald chors, elena raulf, evelin marin, jana schumacher, marcus junge, paolo moretto







laufzeit:                    
donnerstag, 02.06.2022 bis sonntag, 03.07.2022

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Einzelne textile Abformungen erkennbarer Objekte werden zu einer komplexen fragilen Hülle: ein Kleid aus vielen Kleidern. Sie erzählen von Herkunft, Halt, Enge oder Freiheit, Last oder Lust und bilden einen prozesshaften Gedankenraum individueller und kollektiver Geschichten. Eine Arbeit von Evelin Marin

Themen wie Ordnung und Chaos, kollektive Handlungsstrategien in Zeiten von gesellschaftlich oder umweltbedingten Veränderungen, sowie Verbindungen zwischen Kunst und Wissenschaft, sind zentrale Themen in dem künstlerischen Werk von Jana Schumacher. Der experimentelle Umgang mit dem Werkstoff Papier spielt in ihrer Arbeit eine fundamentale Rolle. 

 

Unzählige Im/materielle Probendaten, durch einen Algorithmus generiert, werden in einem virtuellen Sammlungsraum als Archiv reproduziert. Die mittels Licht geprinteten Bilder widerum werden durch zufällige genetische Mutationproben zu virtuellen Steinen rekonstruiert, in Material umgewandelt und in der realen Welt archiviert. Der fiktive “Stein der Weisen”, der alle Substanzen in Gold verwandeln kann, wird als Datenprobe dargestellt. "SRS (simple random sampling" von Ari Cho untersucht im/materielle Bedingungen und stellt die Frage, wie immaterielle Daten wahrgenommen und archiviert werden können. Sie bewegt sich innerhalb der skurilen und bizarren Nähe von Materialität und Virtualität, einer genetisch-mutierenden Synthese, in der ständig hin- und her kombiniert und kopiert wird. Sie besteht aus einem nicht klassisch fotografierten, sondern 3D-gerechnetem Bild und einem realen Objekt, das aus errechneten Daten 3D-gedruckt wurde. 

 

Gerald Chors nimmt sich den verschwindenden Bildern der Stadtgeschichte an und hält sie in ihren letzten Momenten noch einmal fest. "Bankausleger" zeigt die Cremonbrücke. Einst von der Bundesbank gestiftet, bildete sie zusammen mit dem Gebäude letzterer ein Ensemble. Die gezeigten Bilder materialisieren sich auf den letzten Chargen eines Filmes, der seinerseits Kulturgeschichte schrieb, dem 4x5 inch Sofortbildfilm der Firma Polaroid. Die letzte Fabrik, die diesen Film herstellte, wurde schon vor Jahren dem Erdboden gleichgemacht. Mit dem Grundstück konnte man schlichtweg mehr Geld verdienen. 

 

Adriane Steckhan arbeitet, ausgehend von der Fotografie ihres eigenen Torsos, in der Arbeit "Epitaph" skulptural. Die bereits abstrahierten Fotografien überträgt sie in eine transluzide, sinnliche Acrylpolymer-Haut. Durch die verschiedenen Abstraktionsprozesse, die das Motiv durchläuft, ist es kaum noch zu erkennen, sondern lässt nur eine atmosphärische Ahnung seines Ursprungs zurück. Sie begreift die Arbeit nicht nur als ästhetisches, sondern auch als politische Statement. Schon seit längerem beschäftigt sich Steckhan mit der Fragilität unserer Lebensumstände, dem globalen Scheitern der Menschheit und dem damit verbundenen Schmerz, hinter dem man dennoch die Schönheit des Seins erahnen kann. 

 

Wie wird Prägung durch normierte Frauenbilder, vom autoritären Vater beziehungsweise Opa aufgezwungen, an die nächste Generation weitergegeben? Wie wirkt sich der paternalistische Einfluss zeitlebens auf die Frauen der folgenden Generationen aus? Ausgelöst durch den Tod der Mutter spürt die Künstlerin Bea Nielsen in der installativen Arbeit „1956“ diesen Fragen anhand ihrer eigenen Familiengeschichte nach. Als Ausgangspunkt dient ein Foto aus dem Nachlass ihrer Mutter, das in der Installation links hängt und die Mutter als 14-jährige zum Zeitpunkt ihrer Konfirmation (1956) zeigt. Ein mittig angeordnetes Kleid-Papier-Objekt versinnbildlicht den Einfluss und die Wirkmacht des trotz visueller Abwesenheit sowohl die Tochter, als auch die Installation des alles dominierenden Vaters und Opas. Neben diesen beiden Vanitasobjekten hängt rechts eine Acrylmalerei der Künstlerin als Kleinkind, das in Richtung Mutter und Kleid-Objekt zeigt - ein Vexierspiel mit der Zeit, Vergänglichkeit und ein paradoxes Verwischen der Deutungsebenen.

 

 "Mono no aware" ist ein zentraler Begriff aus der japanischen Ästhetik, ausgehend vom Buddhismus und der frühen japanischen Literatur. Er beschreibt zum einen die Trauer über die Vergänglichkeit der Dinge und des Lebens, zum anderen die Schönheit, die darin liegt. Gerade die Flüchtigkeit ist es, die allem seinen Wert verleiht. Die Fotoarbeit von Elena Raulf nimmt dieses Thema auf: Sie zeigt einen Abdruck in der Haut am Knie als Verweis auf die Verletzlichkeit und Vergänglichkeit des menschlichen Körpers; in der reduktionistischen Ästhetik spiegelt sich das Empfinden von „Mono no aware“ wider. 

 

Paolo Moretto schreibt: "Remarks" ist eine Szenografie… vielleicht ein Geburtstag… vielleicht eine Bankeinweihung in Hamburg. Meine Absicht war es, eine filmische Sequenz zu simulieren, dafür der Schnitt und die perspektivische Komposition ... die Nähte fixieren neben dem ästhetischen Faktor den Moment des Schnitts. Kurz gesagt, eine normale Party, bei der die Charaktere eine große Rolle spielen. "Autochthonous" porträtiert Menschen in einem banalen Aspekt, der durch die genähte Blumenkomposition ein wenig aufgewertet wird ... beide eine Art fast ausgestorbene Gesellschaft ... wo die Bedeutung meiner Meinung nach vom Betrachter gefunden werden muss! 

 

In unmittelbarer Nachbarschaft der (abgesperrten) Grabstätte von Jim Morrison auf dem Friedhof Père Lachaise steht ein Baum auf dem sich ein Mikrokosmos mit Botschaften und Tags aus aller Welt befindet. Als Medium dominieren farbige Kaugummis mit Inschriften oder auch als Skulptur. Marcus Junge setzt sich fotografisch mit Legenden, Zeitprozessen, Mythen des Alltags und formalen wie sozialen Strukturen auseinander. 

 

Das Projekt „ost.west NAHT“ von Anne Reiter (mit Fotos von Tillmann Engel, Sophie Lindner und Vera Drebusch) verspricht schon im Titel die Auseinandersetzung mit der Geschichte der deutschen Einheit. Das kleine Wörtchen ‚naht‘ beschreibt als Verb einen Annäherungsprozess zwischen Ost und West, als Substantiv aber auch eine textile Linie, die zwei Stoffe miteinander verbindet. „ost.west NAHT“ ist eine textile und visuelle Auseinandersetzung, die nach Stationen im Osten zur Phototriennale in Hamburg fortgesetzt wurde. Bei Fragen sprechen Sie uns gerne an. 

 

Man kann uns zwar im übertragenden Sinne durchaus auch als Türöffner verstehen, vor Ort beschränken wir uns aber nicht darauf, nur als Einlasspersonal zu fungieren - zumal bei uns der Eintritt frei ist. Ein Festivalticket für die Triennale kostet 70 Euro. Bei uns erhalten Sie Getränke gegen Spende und dürfen auch sonst gerne in die Spendendose auf dem Tresen werfen, was es Ihnen wert ist. Falls Sie den Besuch bei uns nicht nur anregend fanden, sondern Interesse an einem Werk haben, vermitteln wir gerne. Denn auch wenn wir den Stein der Weisen ausstellen, das Einkommen von Künstlern ist oft nur ein Tropfen auf einen Heißen. Kulturförderung im Bereich der bildenden Kunst leider auch. Wir betreiben diesen Ort, weil wir es wichtig finden, dass es Positionen zwischen staatlichen Museen und kommerziellen Galerien einerseits und eher unstetigen Venues für Nachwuchskunst gibt, um nicht etablierte Kunstschaffende zu fördern und eine Plattform für die Kommunikation zwischen Kunst und Öffentlichkeit zu schaffen. Lesen Sie noch immer? Wie schön.. Kommen Sie von auswärts? Überhaupt, wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden? Vielleicht erzählen Sie uns ja mal davon. Die Erzählungen dieser Ausstellung wurden erschaffen von den Künstler*innen und zusammengestellt von dem Team der xpon-art. Die Textredaktion hatte Gerald Chors.